ELGA verstehen – was wirklich dahintersteckt

In den vergangenen Monaten haben wir zahlreiche Gespräche mit Ihnen geführt – unseren Partnern in Pflegeeinrichtungen. Dabei standen nicht nur technische Fragen zu Systemen und Schnittstellen im Fokus, sondern vor allem der praktische Alltag: die Aufnahme neuer Bewohner:innen, Abstimmungen mit Ärzt:innen, Medikationsänderungen sowie die zentrale Frage, wo relevante Informationen zuverlässig verfügbar sind. Ein Thema ist dabei immer wieder aufgekommen: Rund um ELGA bestehen nach wie vor Unsicherheiten – und einige hartnäckige Missverständnisse. Das ist nachvollziehbar. Im Pflegealltag treffen unterschiedliche Systeme, Prozesse und Verantwortlichkeiten aufeinander. Umso wichtiger ist es, hier Klarheit zu schaffen.

 

Mythos 1 – ELGA ist meine e-Card

Diese Annahme begegnet uns besonders häufig. Die e-Card und ELGA werden im Alltag oft gemeinsam genutzt, erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen: Die e-Card dient als Zugang zum Gesundheitssystem. Sie wird zur Identifikation eingesetzt, beispielsweise bei Arztbesuchen, und fungiert damit als „Schlüssel“. ELGA hingegen ist das System, in dem medizinische Informationen strukturiert abgelegt werden – etwa Befunde, Entlassungsbriefe oder Medikationsdaten.

 

Für die Praxis bedeutet das:
Die e-Card ermöglicht den Zugang zum System, während ELGA die relevanten Informationen für die Betreuung bereitstellt. Mit dem SanoPort zur ELGA ist dieser Zugang bereits direkt im System integriert. Für den Zugriff auf ELGA-Daten ist die e-Card der Bewohner:innen daher nicht erforderlich.

 

Mythos 2 – e-Rezept und e-Medikation sind dasselbe

Auch dieser Punkt führt häufig zu Verwechslungen, insbesondere im Zusammenhang mit Medikationsprozessen. Das e-Rezept ist die digitale Verordnung eines Medikaments durch eine Ärztin oder einen Arzt. Es ersetzt das klassische Papierrezept und wird in der Apotheke eingelöst – in der Regel über die e-Card. Die e-Medikation (als Bestandteil von ELGA) bietet hingegen eine strukturierte Übersicht über verordnete und abgegebene Medikamente. Sie dient insbesondere der Erhöhung der Patientensicherheit, beispielsweise durch die Möglichkeit, Wechselwirkungen zu erkennen.

 

Kurz zusammengefasst:
Das e-Rezept bildet die Verordnung ab – die e-Medikation stellt die Übersicht bereit.

 

Mythos 3 – Jeder kann  ELGA-Daten sehen

Datenschutz ist ein zentrales Anliegen – insbesondere im Pflegebereich. Entsprechend groß ist häufig die Sorge hinsichtlich des Zugriffs auf Gesundheitsdaten. ELGA unterliegt jedoch klaren gesetzlichen Regelungen:

  • Zugriff haben ausschließlich berechtigte Gesundheitsdiensteanbieter
  • der Zugriff erfolgt nur im Rahmen einer aktuellen Betreuung oder Behandlung
  • alle Zugriffe werden protokolliert und sind nachvollziehbar

Gerade für Pflegeeinrichtungen ist dabei entscheidend: Der Zugriff erfolgt nicht pauschal, sondern auf Basis klar definierter Berechtigungen. Im Zusammenspiel mit SanoCon können diese Berechtigungen gezielt und differenziert vergeben werden – etwa nach Rollen, Funktionen oder Verantwortungsbereichen innerhalb der Einrichtung. Dadurch wird sichergestellt, dass nur jene Mitarbeiter:innen Zugriff erhalten, die diesen für ihre Tätigkeit tatsächlich benötigen.

 

Für die Praxis bedeutet das:
Sie behalten die Kontrolle darüber, wer Einsicht in ELGA-Daten hat. Durch eine strukturierte Rechtevergabe im System stellen Sie sicher, dass Datenschutz nicht nur eingehalten, sondern aktiv umgesetzt wird.

 

Mythos 4 – Wenn DAME genutzt wird, braucht man ELGA nicht mehr

Dieser Aspekt wurde insbesondere im Austausch mit ärztlichen Partnern mehrfach thematisiert. Dabei entsteht mitunter der Eindruck, dass durch den Einsatz von Kommunikationslösungen wie DAME alle relevanten Informationen bereits ausreichend verfügbar sind. Tatsächlich erfüllen die Systeme jedoch unterschiedliche Funktionen:

  • DAME wird primär für die nicht-strukturierte Kommunikation – etwa zur kurzfristigen Abstimmung oder Weitergabe von Informationen im Arbeitsalltag, verwendet.
  • ELGA hingegen dient der strukturierten, nachvollziehbaren und einrichtungsübergreifenden Bereitstellung medizinischer Informationen.

Der wesentliche Unterschied liegt somit in der Funktion:

  • Kommunikation für Themen, die nicht-strukturiert, also nicht in der ELGA verfügbar sind
  • Dokumentation ist strukturiert, vollständig und langfristig verfügbar

 

Für Pflegeeinrichtungen bedeutet das:
Eine verlässliche Versorgung basiert auf strukturierten und nachvollziehbaren Informationen. Diese werden durch ELGA bereitgestellt – unabhängig davon, welche ergänzenden Kommunikationswege genutzt werden.

 

Warum diese Unterscheidungen im Pflegealltag entscheidend sind

 

In den Gesprächen mit Ihnen wurde deutlich, dass Unsicherheiten vor allem dann entstehen, wenn Systeme nicht klar voneinander abgegrenzt werden. Gerade im Pflegeheim, wo viele Beteiligte zusammenarbeiten, ist Transparenz entscheidend:

  • Wo sind Informationen verlässlich dokumentiert?
  • Welche Inhalte sind verbindlich?
  • Welche Informationen stammen aus kurzfristiger Kommunikation?

Ein klares Verständnis der Systeme schafft hier Sicherheit und unterstützt Sie dabei, fundierte Entscheidungen im Arbeitsalltag zu treffen.

Fazit

ELGA ist kein Ersatz für Kommunikation – und Kommunikation kein Ersatz für ELGA. Ein funktionierendes Gesamtbild entsteht durch das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten:

  • die e-Card ermöglicht den Zugang
  • das e-Rezept bildet die Verordnung ab
  • die e-Medikation schafft Überblick
  • ELGA stellt strukturierte Informationen bereit

Entscheidend ist, dass jedes dieser Elemente seine spezifische Rolle erfüllt. Denn am Ende geht es um eines: eine sichere, nachvollziehbare und bestmögliche Betreuung Ihrer Bewohner:innen.

 

Vielen Dank für die vielen offenen Gespräche – sie sind die Grundlage dafür, genau solche Themen praxisnah und zielgerichtet aufzubereiten.

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